Photonuclear

10/2011


The Sensualization of the Inaccessible

Eno Henzes installation ‘Photonuclear’ at Lichthaus Arnsberg

Starting point for the installation ‘Photonuclear’ at Lichthaus Arnsberg is the technological Objet trouvé ‘Cerenkovs Dream’ (a piece from 2009): an LED Wall that autonomously produces discharges that could be identified as traces in a particle detector. The Russian physicist and Nobel prize winner Pawel Cerenkov could have conceived such a device for registering the radiation he discovered, and which is used for detecting photon emmissions from particle collisions since then.

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For his installation Henze used this LED wall to create photograms of these discharges, adopting a scientific attitude for creating his images. Science, too, works with photographic proofs, and tries to acquire the most immediate imprints of its subjects of investigation. Researchers create technical image generation processes that try to eliminate the researchers hand from this image production, in order to create a neutral, unaffected proof.

Yet, these technical images are subject to aesthetical decisions of the experimenter to a far greater extent than is usually acknowledged. Especially when these images are created to proof something that is inaccessible to natural human perception, they are designed towards the desired assertion of the concepts. In order to create a visual proof, science seeks to sensualize the inaccessible, and hence proceeds onto the ‘precarious’ terrain of the aesthetic.

The image generation process that the artist employed for creating the exhibited fotograms is only conceptually scientific, but de facto it is absurd. It tries to deliver proof for something that is of an imaginated origin, that resides in a realm beyond scientific ratio and deduction.

Yet, this operation poses the image itself into the center of our investigation and constitutes the sample as the actual result. We try to decode the traces of the production process with scientific means in order to understand their creation and their origin. The images of a technical nature carry only concealed traces of the hand that created them.

Die Versinnlichung des Unzugänglichen

Eno Henzes Ausstellung “Photonuclear” im Lichthaus Arnsberg.

Ausgangspunkt der Installation ‘Photonuclear’ im Lichthaus Arnsberg ist das technologische Objet trouvé ‘Tscherenkows Traum’ (eine Arbeit von 2009): eine LED Wand, die ohne äußeres Zutun Entladungen zeigt, die wie Spuren in einem Teilchendetektor aussehen. Der Russische Physiker und spätere Nobelpreisträger Pawel Alexejewitsch Tscherenkow (1904-1990) hätte sich so einen Detektor vorstellen können, der die von ihm beschriebene Strahlung zum Nachweis von Teilchenkollisionen benutzt.

Henze hat für die Installation im Lichthaus diese LED Wand verwendet, um Fotogramme dieser Entladungen anzufertigen. Dabei nimmt er eine wissenschaftliche Haltung bei der Bildherstellung ein. Auch die Wissenschaft arbeitet mit ‘Fotobeweisen’ und versucht möglichst direkte Abdrücke dessen, was sie beschreibt und aufzeichnet, zu gewinnen. Diese Abdrücke sind dann Gegenstand einer objektiven Bildanalyse. Forscher verwenden technische Verfahren zur Bilderzeugung, die versuchen, den Autor aus der Bildgewinnung zu entfernen, um so ein möglichst neutrales, unbeeinflusstes Bild zu erhalten.

Tatsächlich sind aber auch die technischen Bilderzeugungsverfahren vielen freien Entscheidungen des Wissenschaftlers (Experimentators) unterworfen, und folgen wesentlich weitergehend ästhetischen – die erhoffte Beurteilung begünstigenden – Gesichtspunkten, als allgemein zugegeben wird. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn etwas mit Bildern untermauert werden soll, das sich der direkten menschlichen Wahrnehmung entzieht. Die Wissenschaft versucht also, das unzugängliche zu versinnlichen, und wagt sich dabei zwangsläufig auf ästhetisches, also aus wissenschaftlicher Sicht unsicheres, Terrain vor.

Das Bilderzeugungsverfahren das zu den ausgestellten Fotogrammen geführt hat, ist nur im Prinzip wissenschaftlich, de facto aber absurd. Es versucht einen Beweis zu etwas zu liefern, das der Imagination, dem Traum entspringt, und so außerhalb wissenschaftlicher Ableitung und Ratio verortet ist.

Dadurch wird allerdings das Bild zum eigentlichen Ergebnis und rückt in den Mittelpunkt der Betrachtung vor. Wir versuchen in den Bildern die Schritte zu lesen, die zu seiner Erzeugung geführt haben, und so Rückschlüsse auf das Verfahren, auf das Wesen der Technik etc. zu gewinnen. Uns liegen Bilder vor, die oberflächlich technischer Natur sind, und die nur versteckt Hinweise auf die menschliche Hand, die zu ihrer Erzeugung geführt hat, in sich tragen.